100 JAHRE
Die Klasse Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf 1926-2026

"Klasse Bühnenbild Rundgang 2011" © Cornelis Gollhardt
Im Jubiläumsjahr haben Studierende unter der Leitung von Lena Newton 100 Jahre Studieren in der Bühnenbildklasse erforscht. Hierfür sprachen sie u.a. mit den ehemaligen Studierenden Katharina Sieverding, Anna Viebrock, Katrin Brack und Heinz Balthes. Aus den Interviews haben sie eigene Modelle, Kostüme und Videos erstellt. Diese werden in einem Dialog mit früheren Werken inszeniert und in einen historischen Kontext gestellt. Kritisches Augenmerk liegt dabei auf der Zeit zwischen 1933 bis 1945, in der Walter von Wecus mit seiner „Klasse für Bühnenkunst“ die Propaganda des Nationalsozialismus unterstützte. Für eine begleitende Veranstaltungsreihe kooperiert die Klasse Bühnenbild mit dem Theatermuseum Düsseldorf, dem Institut für Kunstgeschichte an der HHU und dem FFT Düsseldorf.
Hintergrund
Die unter dem Direktorat Walter Kaesbachs im Jahr 1926 gegründete ‘Klasse für Bühnenkunst’ an der Kunstakademie Düsseldorf wurde der erste Bühnenkunst-Lehrgang einer deutschen Hochschule, an den eine Professur gekoppelt war. Die Absicht Kaesbachs, Bühnen- und Kostümbild in den künstlerischen Diskurs zu rücken, war Ausdruck eines Reformbestrebens am Ende der Weimarer Zeit, das in den Bildenden Künsten und auf den Theaterbühnen der Weimarer Republik gleichermaßen lebendig war. Die Klasse wurde ab 1926 von Walter von Wecus geleitet, der mit seiner raumzentrierten modularen Bühnenarchitektur die Ausrichtung des Studiums bestimmte. Auf Walter von Wecus folgten Teo Otto und nach einer kurzen Interimsphase, in der die Klasse vom ehemaligen Assistenten Teo Ottos, Wolf Seesselberg, geleitet wurde, Karl Kneidl und Johannes Schütz.
Die politischen und kulturellen Umbrüche nach Ende des 1. Weltkriegs werden Ausgangspunkt sein, um Veränderungen im Bühnen- und Kostümbild zu diskutieren und Parallelen zu heute zu ziehen. Walter von Wecus war auch nach 1933 als Bühnenbildner, Architekt und Maler erfolgreich und war bis 1958 durchgehend Professor an der Akademie. In seiner Biografie lässt sich mitverfolgen, wie sich die Rolle von Bühnenbild während der Weimarer Republik, während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit gewandelt hat. In den Publikationen der Kunstakademie zu Walter von Wecus ist sein Engagement für das nationalsozialistische Regime bisher nicht untersucht worden. Das werden die Ausstellung und eine geplante Publikation nachholen. Auch in den Biografien von Teo Otto, Karl Kneidl und Johannes Schütz lassen sich die Auswirkung von politischen Ereignissen und kulturellen Umschwüngen auf die künstlerische Arbeit und auf die Lehrpraxis nachverfolgen. Alle drei Bühnenbildner waren viele Jahre an bedeutenden Theaterinszenierungen im deutschsprachigen Raum beteiligt und trugen zur gesellschaftlichen Relevanz des Regietheaters der Nachkriegszeit bei.
Die Ausstellung soll beispielhaft aus der Perspektive der jeweiligen Studierenden die Epochen der Bühnenbild-Professuren beschreiben, charakterisieren und in den jeweiligen Kontext der Zeit einordnen und beleuchten. Die an der Recherche beteiligten Studierenden sind auf der Suche nach ehemaligen Studierenden, die nach 1933 die Kunstakademie verlassen mussten, wie zum Beispiel Hanna Jordan. Sie suchen außerdem nach Frauen, die in der Bühnenbildklasse studiert haben, unabhängig davon, ob sie nach Abschluss des Studiums als Bühnen- und Kostümbildnerin tätig waren. Des Weiteren nimmt die Ausstellung die ehemaligen Assistent:innen der Professoren in den Blick, wie zum Beispiel Thomas Richter-Forgách, Heinz Balthes, Wolf Seesselberg und Ruth Groß.
Die Klasse Bühnenbild hat immer mit Studierenden anderer Klassen und mit Theatern und Kunstinstitutionen in Düsseldorf und NRW kooperiert. Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe am Haus der Universität, dem Theatermuseum Düsseldorf und dem FFT Düsseldorf und an der Kunstakademie soll diesen Austausch fördern. Die Klasse Bühnenbild kooperiert mit dem Theatermuseum Düsseldorf für deren Jahresausstellung zur Bühnenkunst der 1920er Jahre, sowie mit der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln.
Die Ausstellung wird großzügig unterstützt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Kunstakademie Düsseldorf. Der als Recherchebericht geplante Katalog folgt im Anschluss und wird u.a. von der Konrad-Krieger-Stiftung gefördert.





Veranstaltungsreihe
100 Jahre Bühnenkunst in Düsseldorf
13.04.2026, 20 Uhr | Theatermuseum Düsseldorf
Eröffnung der Ausstellung Bühnenkunst in den 1920er Jahren
Theatermuseum Düsseldorf, Jägerhofstr. 1, 40479 Düsseldorf
21.04.2026, 19 Uhr | Haus der Universität
Prof. Dr. Peter W. Marx (Universität zu Köln und Direktor der Theaterwissenschaftlichen Sammlung, Köln) 100 Jahre Bühnenkunst
Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf
05.05.2026, 19 Uhr | Theatermuseum Düsseldorf
Dr. Sascha Förster (Direktor des TMD) , Prof.in Lena Newton (Leitung Klasse Bühnenbild Kunstakademie Düsseldorf) und Torsten Blume (wissenschaftlicher und künstlerischer Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau) Gespräch über die historischen Bühnenklassen in Düsseldorf, Dresden und am Bauhaus.
Theatermuseum Düsseldorf, Jägerhofstr. 1, 40479 Düsseldorf
19.05.2026, 19 Uhr | FFT Düsseldorf
unpack archive.zip - Neue Medien und (post)digitale Formate. In Tischgesprächen geben Studierende der Kunstakademie einen Einblick in ihr work-in-Progress, mediale Experimente und längst archivierte Ideen. Moderiert von Susanne Schuster und Margareta Bartelmeß. Susanne Schuster ist Dramaturgin und Mitbegründerin der freie Medien- und Performancegruppe ‚OutOfTheBox‘. Margareta Bartelmeß studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und ist als freie Künstlerin und Bühnenbildnerin tätig. Ihre Arbeit fokussiert sich auf digitale Materialität und Nachhaltigkeit.
Forum Freies Theater Düsseldorf, Konrad-Adenauer-Platz 1, 40210 Düsseldorf
02.06.2026 , 19 Uhr | Aula der Kunstakademie Düsseldorf
Ausschnitt aus Szenischen Proben für Hans Werner Henzes Oper ‘Don Chisciotte’. Studierende aus allen NRW-Musikhochschulen und der Bühnenbildklasse der Kunstakademie Düsseldorf erarbeiten eine Aufführung der Oper ‘Don Chisciotte’ in Montepulciano im Juli 2026. Einführung in die Oper von Prof. Michael Dissmeier und Dr. Elena Minetti. Prof. Michael Dissmeier ist Regisseur des Opernprojekts und Leiter der Opernschule an der HfM Detmold. Dr. Elena Minetti ist Musikwissenschaftlerin und lehrt am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft an der Universität Graz.
Kunstakademie Düsseldorf, Eiskellerstraße 1, 40213 Düsseldorf